Annaz - Tadewi, Motte & Annaz

Tadewi, Motte & Annaz
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Annaz

Annaz in der HalleSeptember 2022

Annaz hatte nach der gemeinsamen Reise mit Motte zum neuen Stall ein ganz besonders enges Verhältnis zu ihr entwickelt. Von Natur aus eher besonnen und ruhig im Verhalten, konnte er sich jetzt richtig erregen und gehörig seinen Unmut äußern, wenn ich Motte zum Putzen, Füttern und für Spaziergänge alleine abholte. Da lernte ich eine ganz neue Seite seines Wesens kennen, die mich aber auch zutiefst berührte. Dennoch wollte ich die beiden immer wieder für kurze Zeit trennen, damit sie sich der neuen Situation stellen mussten und auch anderweitig Kontakte knüpften. Das klappte dann wider Erwarten doch recht schnell und Annaz fand sogar einen Isi-Wallach mit dem er tüchtig toben konnte.

Das Automatentraining gestaltete sich bei ihm eher unspektakulär. Ich vermutete schon immer ein gewisses „technisches Interesse“ bei ihm und richtig: rein und raus und fressen war für ihn nicht das Problem. Aber seine geringe Körperwahrnehmung, die wir auch schon in anderen Situationen beobachtet hatten, zeigte sich auf den Laufwegen im Trail. Nicht unbedingt geschickt auf seinen vier Hufen, war er oft mit Ausrutschen und Abfangen auf den steinigen oder glatten Untergründen beschäftigt. Eine osteopathische Behandlung bestätigte dann auch viele Blockaden in der Wirbelsäule.

Reiterlich bedeutete der Umzug für mich wieder einen großen Einschnitt. Ohne meine „zwei mal Susanne“ fühlte ich mich ganz schön verloren und mutlos! Das 9 € Ticket half mir dann wieder "in den Sattel“. Beide Susannes besuchten uns, wir machten eine wunderbare Longen-Einheit und als Bonbon ritt ich seit einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal frei einfache Lektionen im Schritt mit anschließendem kurzen Schrittausritt in Begleitung von „zwei mal Susanne“. Ein Meilenstein für mich und meine „permanent insistierenden Bedenken“ im Kopf!

Unser Plan: Fern-Unterricht per Zoom mit gelegentlichen Einheiten vor Ort!

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Annaz      „Der Philosophierende Bedenkenträger“

Februar 2022    Was Motte ganz pragmatisch zur Kenntnis nimmt und dann keine Zeit verschwendet mit „langwierigen Bedenken“, kann Annaz für sich überhaupt nicht umsetzen.
Er ist immer noch eher schwankend und verfügt über ein großes Sicherheitsbedürfnis. Kleinste Veränderungen in seiner Umgebung und sich „bewegende Teile“ führen bei ihm zu großem Unbehagen und Irritationen. Manchmal „schottet“ er sich deshalb mental quasi ab und macht „die Tür zu mir“ zu!

So geriet ich wieder mal in große Zweifel, ob wir Beiden jemals ein „gemeinsam agierendes Team“ werden können, und meine Unsicherheit und auch Enttäuschung wuchsen.
Im Frühsommer hatte ich dann die „zündende Idee“ und fragte eine liebe Bekannte, die unsere Haltergemeinschaft schon lange begleitet und einige von uns bei der Ausbildung der Pferde unterstützt um Mithilfe. Freudig sagte sie zu, und wir haben jetzt eine wunderbare „Dreierlösung“ für Annaz gefunden. Einmal die Woche machen Susanne S. und ich gemeinsam bei Susanne M. Unterricht. Susanne S. fraglos ohne „Altlasten“ Annaz gegenüber und deswegen unvoreingenommen und mit weniger Unsicherheit und Ängsten als ich.
Es scheint ein sehr guter Ansatz zu sein. Wir arbeiten überwiegend am Boden mit dem vorrangigsten Ziel, Annaz ein Sicherheitsgefühl zu geben und ihm damit auch ein stärkeres Vertrauen in uns und unsere Ideen und Vorgehensweise zu vermitteln. Abwechselnd unterrichten wir uns gegenseitig unter der einfühlsamen, fachkundigen Anleitung von Susanne M. Wie wunderbar die Entwicklung zu beobachten!

Annaz kriecht immer häufiger aus seinem „Schneckenhäuschen“, wird offener im Blick und auch in seinen Bewegungen. Susanne S. steigt im Unterricht auch schon gelegentlich in den Sattel und tastet sich langsam wieder an „Annaz als Reitpferd“ heran. Immer sind wir bedacht, die weiteren Ausbildungsschritte so sorgsam durchzuführen, dass er sich sicher und wohl fühlt.

An dieser Stelle, liebe Susanne Mergili, ein „Riesendankeschön“ für Deinen unerschütterlichen Glauben an Annaz und mich, Deine schier endlose Geduld und Deinen Ideenreichtum für das Arbeiten mit gerade DIESEM Pferd!

Dir, liebe Susanne S., danke ich sehr herzlich für deine wertvolle Unterstützung! Für deine bewundernswerte Ruhe, Dein Mutmachen, immer wieder auch Deinen Mut und Deine Freude an unserer gemeinsamen Arbeit mit Annaz.

Ohne euch wäre Annaz wahrscheinlich nicht mehr MEIN Pferd ...
Annaz     -   Umgezogen, aber noch nicht angekommen….

April 2021    Der „Große“ tut sich sehr schwer mit den vielen neuen Eindrücken, die ihn am und um den neuen Hof herum „überfallen“. Oft steht und staunt er minutenlang bei unseren gemeinsamen Spaziergängen und versucht zu verarbeiten. Er ist noch voller Spannung und Unsicherheit, was sich leider auf mich überträgt. Ich bin darüber bekümmert und habe das Gefühl, wir sind doch nochmal zurück auf „Los“ geworfen worden. Meine persönlichen Erwartungen werden wieder mal korrigiert und angepasst.

Mit Susannes Unterstützung fokussieren wir uns in nächster Zeit nur auf die Akademische Bodenarbeit, um Sicherheit und Bindungsaufbau zu stärken und ihm dadurch zu helfen. Der „Braune Freund“ gibt Tempo und Lernschritte vor und er schenkt mir zum wiederholten Mal sein Vertrauen, dass wir einen guten und wichtigen Weg mit ihm gehen.

Das macht mir Mut und Hoffnung!



Ab April 2019 hieß es für Annaz und mich nach unserem zweiten Kursus mit Hanna Engström endlich: „Leinen los“!

Nach vielen intensiven und sehr lehrreichen Unterrichtsstunden bei Susanne, die sich äußerst einfühlsam und unendlich geduldig mit meinen Ängsten und der Unsicherheit von Annaz auseinandersetzte, fehlte nur noch der letzte kleine „Anstoß“ um die Longe „auszuklinken“.

Diesen Part übernahm Hanna unbekümmert und gänzlich optimistisch. Danach war für mich klar: jetzt auch mit dem „Wüstenprinz“ REITEND in den „Zauberwald“ einzutauchen ist Wunsch und Ziel!
Zunächst waren wir mit Susanne und Ufi unterwegs, als „moralische Unterstützung“ und falls notwendig als „Bremsklotz“. Danke Euch Beiden dafür, es war unendlich hilfreich!

Dann schon erste kurze Ausritte alleine und nur mit Fidelio als „kleinem Begleiter“  ließen mein Herz wahrlich schneller schlagen. Parallel dazu arbeiten wir weiter „akademisch“ nach Branderup und freuen uns über stetige Entwicklung in dieser wunderbaren Reitweise.



Für Annaz bedeutete der Stallwechsel auch noch einmal ein großes Umdenken in seiner Laufbahn als Reitpferd. Wir gingen zwar nicht über "Los", aber doch fast bis zurück auf "Start". Bisher war unser Weg ein eher holperiger gewesen. Für mich oft sehr frustrierend und immer wieder von Zweifeln geprägt, ob er wohl DAS Pferd für mich ist und ob ich ihn wohl je würde selbständig reiten können. Für ihn war die ganze bisherige Ausbildung von grosser Unsicherheit begleitet: was genau will man eigentlich von mir? Und wie bekomme ich das mit meinem "schwankenden Körpergefüge" hin?

Annaz war immer bestrebt zu gefallen, doch ich habe zu wenig bemerkt, wie unausbalanciert und unsicher er noch mit seinem eigenen Körper umzugehen verstand, und wie wenig passend meine bisherigen Ansprüche an diesen Umstand waren.

Und auch hier erweist sich der neue Hof als Glücksgriff. Mit Susanne Mergili habe ich eine Reitlehrerin der Akademischen Reitweise nach Bent Branderup gefunden, die für Annaz und mich maßgeschneidert zu sein scheint! Mit großem Einfühlungsvermögen und unendlicher Geduld unterrichtet sie uns intensiv, fördernd und fordernd gleichermassen. Und ich lerne unter ihrer Anleitung meinen großen "Wüstenprinz" als (meistens) motiviertes und durchaus begabtes, sensibles Pferd kennen, welches noch auf dem Wege ist, mit sich und seinem Körper eins zu werden. Das Reiten wird mittlerweile zum lange vermissten Vergnügen, zu einer ganz spannenden Herausforderung mit kleinen Highlights auf einem - so zeichnet es sich ab - sehr, sehr langen Weg.





Trocken war es in diesem Jahr, und so schön staubig....

Im Frühsommer 2019 hatten Motte und Annaz ihr erstes wunderbares Jahr auf dem Hagbruch Hof verbracht und einmal alle Jahreszeiten erlebt. Motte durchwanderte mit vielen fröhlichen Reitkindern den „Zauberwald“ und zeigte ihn den kleinen Reiterinnen in seiner gesamten wunderschönen Vielfalt.

Das erste zarte Grün im Frühjahr begeisterte ebenso wie die satten Farben des Sommers und die kräftigen Rot- und Goldtöne des Herbstes. Auch wettermäßig trotzten wir gemeinsam allen Möglichkeiten, die sich uns boten: von stürmisch-feucht bis sonnig und wohlig wärmend bis hin zu Zeiten von flirrender Hitze, in denen selbst das dichte Laubdach keine wirkliche Abkühlung bot.



Zum 1. Juli 2018 sind Motte und Annaz nach Ettlingen-Bruchhausen auf den Pferdehof Hagbruch umgezogen. Im Laufe des Frühsommers war immer deutlicher geworden, dass Motte in der Paddock-Trail Anlage nicht mehr gut  zurecht kam. Viel Dynamik in der Herde durch  Neuzugänge und unausgelastete "Jungspunde" machten ihr im wahrsten Sinn  des Wortes häufig "Beine". Das zwang sie zu mehr abrupter und  ungewollter Bewegung als ihre "alten Knochen und Gelenke" es verkraften  konnten. Gleichzeitig gab es einfach zu wenig Möglichkeiten für sie, wo  sie ungestört und in ihrem Tempo umherwandern konnte oder sich hinlegen und ausruhen konnte.

Annaz hatte sich schon nach wenigen Tagen in einer altersgemischten Wallachherde recht gut akklimatisiert und genoss mit fröhlichen Galoppaden einen riesigen Paddock, genügend Futterstellen und vor allem die Wasserbottiche, an denen er mit Wonne minutenlang von einem zum anderen wechselte, genussvoll große Mengen Wasser aufnahm oder es auch nur einfach "gut umrührte".

Für mich war diese Bild eines der schönsten dieses sehr heissen Sommers: kein Anstehen an einer Selbsttränke, die einfach keine ausreichende Menge Wasser zum Durstlöschen für die Pferde lieferte!

Motte hingegen machte uns zunächst ein wenig Sorgen. Die Erfahrungen  (mit Stürzen) in der alten Herde hatten dazu geführt, dass sie überaus ängstlich, fast panisch auf die anderen Pferde reagierte, in deren Herde wir sie gerne eingliedern wollten. So gaben wir ihr viel Zeit auf einer "eigenen Weide", während sich unsere neue Stall-Chefin viele Gedanken machte, in welcher Gruppe Motte sich vielleicht wohlfühlen würde. Und nach ein paar Wochen fand Motte ihr neues Zuhause bei drei älteren Wallachen, deren Annäherung und Nähe sie nicht beängstigend fand. Dort respektiert man ihr Alter und ihr Ruhebedürfniss. Gleichzeitig bietet der grosse Paddock ausreichend Platz für sie sich zurückzuziehen und auszuweichen, wenn die drei "alten Herren" ihre Tobephase einlegen. Diese Entwicklung hat uns nach anfänglichem Bangen sehr glücklich gemacht.

Die zunächst beobachteten Stressreaktionen bei Motte wichen einer Ausgeglichenheit, die auch von einer raschen und deutlichen Gewichtszunahme begleitet wurde. Da sie noch nie zu "Pummeligkeit" neigte, konnten wir uns darüber uneingeschränkt freuen. Durch die gute Tabletteneinstellung machte ihr das Cushing-Syndrom auch deutlich weniger Probleme als im letzten Jahr. Sie konnte sich ein "passables Sommerfell" zulegen und hatte trotz der enormen Temperaturen keine Kreislaufprobleme.

Auch Annaz zeigte nach unserem Umzug schon nach kurzer Zeit in seinem Verhalten eine überaus positive Veränderung. Bisher hatte er gelegentlich unverhoffte "Schreckausbrüche" bei vermeintlichen Lappalien gezeigt. Er stand gewissermassen "ständig unter Strom", scheinbar ohne erkennbaren Grund. Nach kurzer Zeit in neuer Umgebung entspannte er zusehends, betrachtete interessiert Dinge in seiner Umgebung, denen er bisher mit deutlichem Fluchtreflex begegnet war!

Wasser wurde nicht nur als lebenswichtige Resource zu seinem Element. Selbst der bisher für ihn kaum zu ertragenden Berührung mit dem feuchten Element konnte er nach sehr kurzer Zeit etwas abgewinnen. Binnen einer Woche konnte ich ihn - anfänglich mit Unterstützung - komplett mit dem Wasserschlauch abspritzen und erfrischen! Vorher hatte er auf wenige Wasserspritzer schon mit unverhohlener Panik reagiert und die Flucht ergriffen!
Tadewi, Motte und Annaz  l  Leben mit Hund und Pferden
Leben mit Hund und Pferden
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